Die Geschichte Malawis
Vermutlich liegt die Wiege der Menschheit in Malawi! Der deutsche Professor Friedemann Schrenk (Universität Frankfurt) hat die bisher weltweit ältesten Menschenknochen in Karonga im Norden Malawis gefunden. Über die vorkoloniale Geschichte und über das Königreich Maravi, dem Malawi seinen heutigen Namen verdankt, ist wenig bekannt.
Der vermutlich erste Europäer, der das Gebiet besuchte, war der schottische Forscher David Livingston, der 1859 den Malawisee entdeckte. Das Gebiet wurde von Missionaren der Free Church of Scotland ab 1875 missioniert. 1878 wurde die erste Handelsgesellschaft Livingston Central African Mission Company gegründet. 1891 wurde das Gebiet britisches Protektorat. 1907 wurde die Kolonie in Nyasaland (Land am See) umbenannt.
Die Kolonialzeit verlief relativ unspektakulär. Erwähnung verdient der erste und einzige Aufstand gegen die Briten im Jahre 1915. Bis heute ist der Geistliche John Chilembwe eine der wenigen historischen Integrationsfiguren Malawis.
Die von den Briten 1953 geschaffene Föderation von Rhodesien und Nyasaland, mit der die politische Vormachtsstellung der weißen Siedler in Süd-Rhodesien langfristig gesichert werden sollte, zerbrach Ende 1963, als Nyasaland unter dem Namen Malawi und Nord-Rhodesien als Zambia ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erlangten.
Der — größtenteils mit friedlichen Mitteln betriebene — Unabhängigkeitskampf Malawis wurde von Hastings Kamuzu Banda geführt, der nach über vier Dekaden im Ausland am 6. Juli 1958 nach Malawi zurückkehrte.
Banda, ein in den USA und Großbritannien ausgebildeter promovierter Arzt, führte das Land 1964 auf dem Verhandlungswege in die völkerrechtliche Unabhängigkeit.
Er setzte 1966 eine auf ihn zugeschnittene Verfassung in Kraft und zementierte die Herrschaft seiner Malawi Congress Party (MCP). Politische Opposition wurde rücksichtslos verfolgt. Der Geheimdienst verfügte über ein ausgeprägtes und effizientes Spitzelsystem bis hinunter auf die Dorfebene. 1971 ließ er sich zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit ernennen. Banda gehörte in die Kategorie der autokratischen Führer, der sich auch in Kleinigkeiten das Entscheidungsrecht vorbehielt.
Die Medien waren gleichgeschaltet; eine Zivilgesellschaft gab es nur in Ansätzen. Die schweren Menschenrechtsverletzungen des Regimes wurden vom Westen bis Anfang der 1990er Jahre lediglich zur Kenntnis genommen. Auf Sanktionen wurde verzichtet. Erst im Mai 1994, nachdem Banda auf Druck ein demokratisches Regierungssystem einführen musste, wurde der damals über 90 Jahre alte Diktator aus dem Amt gewählt. Er starb im November 1997. Zu seinem Gedenken ist in Lilongwe ein Mausoleum errichtet.
Bakili Muluzi übernahm im Mai 1994 als erster demokratisch gewählter Staatspräsident die Regierung und setzte die neue demokratische Verfassung um. Neben der Aufrechterhaltung der demokratischen Strukturen -- trotz einiger Mängel und Probleme -- war der Unternehmer daran interessiert, die Wirtschaftsreformen, vor allem die Privatisierung von Staatsunternehmen, voranzutreiben. Es gelang ihm jedoch nicht, die Korruption einzudämmen. Muluzi, der 1999 wiedergewählt wurde, gehört dem islamischen Glauben an.
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